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>> Basler Leckerli _ Art | 42 | Basel _____

20/06/2011

„So viele Tierchen und Menschlein waren vielleicht noch nie auf einer Messe versammelt.“

Keine Einstiegspointe diesmal. Der Platz vor dem Haupteingang der Art Basel, wo in den vergangenen Jahren stets großformatige Kunstwerke zu sehen waren, bleibt bei der 42. Ausgabe der Messe leer. Nackt wirkt das Gebäude jetzt, als sei man mit den Vorbereitungen nicht ganz fertig geworden – Anlässe für wirkungsvolle Statements hätte es in diesen politisch aufregenden Tagen genug gegeben. Möglicherweise hat man aber auch dieses Nicht-Statement ganz bewusst gesetzt, wir befinden uns schließlich in der neutralen Schweiz.

Die Welt schrumpft im Zuge der Globalisierung zum Dorf – dies zumindest einmal im Jahr, wenn die Art Basel für ein paar Tage ihre Tore öffnet. Sie ist die weltweit führende internationale Kunstmesse für moderne und zeitgenössische Kunst. Große Meister der modernen Kunst bis zu den talentiertesten Nachwuchskünstler wurden in verschiedenen Bereichen auf der Show präsentiert. Besucher konnten qualitätive Kunst bestaunen und sich durch das Rahmenprogramm und den vielen Parallelveranstaltungen unterhalten und inspirieren lassen. Das macht die Art Basel zu dem Treffpunkt der globalen Kunstwelt, darunter Kunstsammler, Kunsthändler, Künstler, Kuratoren, dieWerkBank und andere Kunstinteressierte.

Die weltweit bedeutendste Messe für moderne und zeitgenössische Kunst zeigte bis zum gestrigen Sonntag Werke von über 2500 Kunstschaffenden. Dabei boten die 300 ausstellenden Galerien aus 35 Ländern einmal mehr einen Überblick über eine globale Kunstszene. Zusätzlich verwandelten etablierte Parallelveranstaltungen wie SCOPE, Volta, Liste, sowie Design Miami, Basel eine Woche lang zum Epizentrum der Kunstwelt.

>> SCOPE

>> Volta 7

>> Liste 16

„läuft super“, „sehr zufrieden“, „there is a lot of interest“, „mindestens so gut wie letztes Jahr“, das waren die Sätze, die sich die Aussteller zuwarfen in den ersten Stunden der Preview. Bei den Besuchern kam es zum regelrechten Gedränge. In der Halle schoben sich die Scharen durch die Gänge. Kaum ein ungestörtes Gespräch mit den Galeriszen schien möglich. Ein Umstand der wohl vor allem bei den ernsthaft an Kunst (und deren Kauf) interessierten nachhaltig für Unmut sorgen wird.

>> Investieren in Kunst? | NZZ Interview

Dass der Dollarkurs gerade so günstig steht, ist sicher ein Grund, der vielen Sammlern die Kaufentscheidung leicht macht. Aber vielleicht liegen die good vibrations auch an den Ständen selbst, die in diesem Jahr besonders sorgfältig kuratiert aussehen und teils jedes Biennale-Erlebnis in den Schatten stellen – es ist, als habe der Ausschluss von Eigen + Art, der Anfang des Jahres einen Skandal provozierte, einen ästhetischen Stein ins Rollen gebracht, mit dem nun Platzhirsche und jüngere Jahrgänge ihr Erscheinungsbild überprüfen. Flohmarktartig zusammengeschobene Flachware ist in diesem Jahr also kaum noch zu sehen.

Liegen die Länder, Nationen und Regionen auf dem Globus auch noch so weit auseinander, so haben sie sich, was ihre Kunstproduktion betrifft, längst einander angenähert. Gegenwartskunst scheint eine universale Sprache zu sein, die überall auf unserem Planeten gesprochen und verstanden wird. Indische und chinesische Künstler bedienen sich mittlerweile derselben Medien und Strategien wie europäische oder amerikanische Kunstschaffende – das zeigt die einmalige Überblicksschau, die an der Art Basel auch diesmal wieder geboten wird, in aller Deutlichkeit.

So Schreibt etwa die FAZ: „Das Material ist einfach zu knapp für so viel Fläche. Der havarierte Kopffüßler -David Zink Yis Tintenfisch aus Ton „Untitled (Architeuthis)” könnte zum Signum dieser gesamten Art Basel werden, die arg unter einer ausgeleierten Kunstpraxis leidet. (Wo ist eigentlich der Hai in Brodo von Damien Hirst? Man möchte ihn von hier aus gern grüßen…) Von Appropriation Art zu sprechen wäre da schon Schönrednerei. Obwohl an allen Ecken und Enden appropriiert wird, von (nur zum Beispiel) Jackson Pollock über Roy Lichtenstein bis Barbara Kruger. Hinzu kommt eine Art Infantilisierung: So viele Tierchen und Menschlein waren vielleicht noch nie auf einer Messe versammelt. Dafür sieht man, noch einmal pointiert formuliert, praktisch keinen höchstrangigen Gerhard Richter, Baselitz, Neo Rauch, oder auch Warhol (außer einem Marilyn-Ensemble in Überbreite).“

Global nimmt sich auch die Künstlerschaft im Bereich Art Unlimited aus. Wie geschaffen für grosse Gesten mit universalem Anspruch scheint diese Plattform, die mit ihren über 60 raumgreifenden Kunstprojekten wieder eine ganze Messehalle bespielt. Allerdings befindet sich in dem gesamten Geviert kaum eine Arbeit, die Blicke bannen kann. Es stellt sich vielmehr ein unbehagliches Déjà-vu-Gefühl her.

Parallel zur Art Basel wurde die internationale Designmesse Design Miami/Basel eröffnet. Zweimal im Jahr treffen sich Design-Sammler bei der Design Miami – im Winter in Miami Beach, im Sommer in Basel. Highlights waren unter anderem die Fertighaus-Strukturen von Jean Prouvé, die er in den vierziger und fünfziger Jahren entworfen hat und die erst kürzlich wieder entdeckt wurden. Und zeitgenössisches Design, das von Galerien und in den On/Site-Ausstellungen gezeigt wird.

xx

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