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>> Whiteout | Licht und Weite __________

23/02/2011

Whiteout auf dem Ekström-Schelfeis, Antarktis

White | Whiteout | Whitenoise | Whitebox

Whiteouts stellen im Bergsport durchaus einen ernstzunehmenden Gefahrenfaktor dar: Aus Sicherheitsgründen sollten Gruppen eng zusammenbleiben, empfielt die einschlägige Bergliteratur, und sich, wenn überhaupt, nur langsam fortbewegen bzw. in absturzgefährdetem Gebiet möglichst das Ende eines Whiteouts abwarten und vorläufig auf jede Fortbewegung verzichten, da Hindernisse oder Abgründe nicht mehr erkannt und Entfernungen und die Steilheit des Untergrundes nicht mehr abgeschätzt werden können. Wärend Bergsportler Sonnenbrillen mit entspechenden Farbfiltern zur Bändigung dieses meterologischen Phänomens  verwenden, dient es Künstlern diverser Genres als Metapher, Inspiration, ja Stilmittel.

White | Stefano Amantini

In seiner aktuellen Ausstellung „white“ zeigt der Fotograf Stefano Amantini eine Bilderserie  mit winterlichen Landschaftsaufnahmen aus dem Dolomitengebiet. In der Gallerie thethys in Florenz sind noch bis Mitte März eine Auswahl seiner auf 50 Bilder gewachsenen Serie zu sehen.

White | Stefano Amantini

Deplazierte Silhouetten im Whiteout – Stefanos Amantinis Arbeiten thematisieren in ihren minimalen Szenerien die durch die Tourismus-Industrie strukturierte, von Natur- zu Kulturlandschaft geformte Weite. Unverkennbar ist die Anlehnung an Walter Niedermayrs Fotografien. Das Empfinden von Orientierungslosigkeit und Ausgesetztsein im Whiteout thematisierte der Südtiroler Fotograf Walter Niedermayr in der Serie „Titlis“:

Titlis | Walter Niedermayr

Whiteout: die nebulose Helligkeit, die bei schneebedecktem Boden und verhülltem Tageslicht beobachtet wird. Aufgrund der starken diffusen Reflexion des Sonnenlichts kommt es zu einer sehr starken Kontrastverringerung – die empfundenen Helligkeitsunterschiede sind kaum wahrnehmbar. Das hat ein Verschwinden des Horizontes zur Folge; Boden und Himmel gehen nahtlos ineinander über.

Titlis | Walter Niedermayr

Es sind keine Konturen oder Schatten mehr erkennbar, der Beobachter hat das Gefühl, sich in einem völlig leeren, unendlich ausgedehnten weißen Raum zu befinden. Physisch macht sich der Whiteout durch Desorientierung und die Beeinträchtigung des Gleichgewichtssinns bemerkbar. Bei entsprechend veranlagten Personen kann dies sogar zu einer starken psychischen Belastung führen, die sich durch Beklemmung und Angstgefühle äußert.

Walter Niedermayr , SANAA

Walter Niedermayr: „Im Grunde geht es mir um Distanz. Ich möchte nicht in eine wertende, moralische Position verfallen, das interessiert mich nicht. In meinen Bildern agieren die Menschen in der Landschaft, aber sie bleiben in der Schwebe, wirken oft orientierungslos, wie fremd in ihrer Umgebung.“

„Die Helligkeit ist wesentlich in meinen Bildern, das Sujet ändert sich projektbedingt. Bei den Architekturbildern dominieren bei den Innenräumen meist die Horizontalen, wohingegen es in der offenen Landschaft Vertikale und Horizontale gibt. Farbe, Licht und Raum sind aber immer die verbindenden Kriterien. Wie gesagt, es geht mir um Helligkeit, weil Helligkeit für mich etwas anderes sichtbar macht.“

Walter Niedermayr | SANAA

„Dunkelheit lässt die Dinge verschwinden, Helligkeit lässt sie erscheinen, wirkt aber zugleich reduktiv, das heißt Schatten und Konturen verschwinden im Bild. Dadurch entstehen neue Wertigkeiten. So wirken meine Bilder oft zweidimensional, dabei sind Landschaften ja dreidimensional, die Personen sind wie ausgesetzt, man könnte auch sagen: wie Marionetten.“

Walter Niedermayr | SANAA

„Durch meine Auseinandersetzung mit den Gebäuden von SANAA ist die Werkgruppe „Bildraum“ entstanden, die vordergründig Bezug nimmt auf das Sichtbarmachen über die medienimmanenten Möglichkeiten von Raum und im weiteren Sinne von Raumatmosphären im Bewusstsein dessen, dass Fotografie die Aura des Originals nicht ersetzen kann, aber vielleicht etwas aufscheinen lässt, das den Raum über die Bilder erahnen lässt. Mich interessieren aber auch die Themen wie Transparenz, Leichtigkeit, Einfachheit und Komplexität.“

Rolex Lerning Canter by SANAA | Walter Niedermayr

Wolfgang Pöschl: „Architekten die Farbe Weiß zu empfehlen gleicht auf den ersten Blick dem Rat sich schwarz zu kleiden. Ist doch Weiß ein alltäglicher Bestandteil der architektonischen Werkzeugkiste. Weiß setzen wir gegen die unübersichtlichen Zumutungen der Natur. Mit Weiß übertünchen wir die Kluft zwischen dem abstrakten Konzept und den Niederungen seiner Umsetzung. Denn Weiß ist uns ein Mittel zur Demonstration von Reinheit, Präsenz und Macht.“

Kanazawa Museum of contemporary art by SANAA | Walter Niedermayr

Walter Pöschl weiter: „Das Weiß, das ich jedoch empfehle, ist jenes, das in der Arbeit von SANAA (Kazuyo Sejima + Ryue Nishizawa) eine zentrale und einzigartige Rolle spielt. Es steht für Entmaterialisierung, für die ultimative Inszenierung von Licht bis zum Whiteout. Ihr Weiß ähnelt der Wahrnehmung von Nebel. Denn inmitten üppiger Vegetation verleiht es ihren Gebäuden im Flirren der Spiegelungen und Durchblicke der Verglasungen die Flüchtigkeit von Nebelschwaden. Im Innern hebt es die Grenzen des Raumes auf. Selbst im dichten urbanen Umfeld gibt es ihren Bauten nebensächliche Flüchtigkeit. Meine Empfehlung gilt dem grenzenlosen Weiß des Verschwindens im Licht.“

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One Comment leave one →
  1. 15/04/2011 09:38

    großartige architekturfotografie, klarheit und einfachheit,…

    rocKLife

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