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13/10/2009

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unfassbar by Kerstin Inga Meyer | Diplomarbeit an der Design Uni Bozen

„The best thing about the dinner table is the people sitting around it. Their views meet or cross, converge or trail off. Their movements betray impatience or relaxation, pleasure or astonishment. I invited friends and colleagues to join me for a meal. I documented this event, making tangible the fleeting interactions between the participants.“ Kerstin I. Meyer

I’m great – and you’re not!

„mit’n reden kemmen die Leit zomm“! ganz in diesem Sinne wird „Kommunikation“ nicht nur als Allheilmittel für so ziemlich jedes Problem gepredigt sondern vor allem als Quell von Innovation gesehen . Es stellt sich aber unweigerlich die Frage ist Kommunikation ein Selbstzweck? Medien wie Fernsehn, Radio, Zeitungen kommunizieren uns ununterbrochen alles Neue, Gute oder Schlimme, in Form von Nachrichten, Geschichten oder Werbung. Diese Art der Kommunikation ist einseitig, gerichtet von Sender in Richtung Empfänger. Ist es, um bei obig angeführter Weisheit zu bleiben, nicht etwa das Reden, sondern vielmehr das sprichwörtliche „Zusammenkommen der Leut“ das diese Welt in eine positive Zukunft zu lenken verspricht?

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unfassbar Konzeptskizze | nichtverbale Kommunikation | Abendessen zu 10.

Tatsächlich wird heute neben Kommunikation, fast im selben Atemzug das „Netzwerk“ als Indikator für potentiellen Erfolg und Fortschritt gehandelt. Sender und Empfänger sind im Netzwerk in ihrer Funktion weder getrennt noch vorbestimmt. Sie können beide Rollen gleichermaßen einnehmen, und zusätzlich sogar als Mittler agieren und somit selbst zum Medium werden. Im Gegensatz zu der statischen und hierarchisch linearen Kommunikation kann in Netzwerken Information nicht nur gesendet und empfangen werden – Information kann auch querverbunden werden, kann sich überschneiden und akkumulieren, interagieren und im Idealfall Synapsen und Plattformen bilden.  Auch wenn das Internet als Medium diese netzartige Kommunikation erstmalig abseits von Raum und Zeit ermöglicht, bedeutet dies keineswegs einen qualitativen Sprung der Kommunikation  im eigentlichen Sinne (siehe Inhaltswert der sogenannten social network Plattformen wie facebook, myspace und Konsorten).

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unfassbar by Kerstin Inga Meyer | Diplomarbeit an der Design Uni Bozen

Unsere Gesellschaft baut auf netzartigen und akkumulierenden Strukturen ihr gesamtes soziales Verhalten. So sucht sich der Mensch ein Umfeld von einer Gruppe Gleichgesinnter (tribes). Jeder von uns ist Mitglied einer solchen tribe, seiner Sippe, Familie, der Angestellten eines Unternehmens, dem Sportverein, einer Partei, einer Subkultur – kurz einer Wertegemeinschaft. Diese Gemeinschaften lassen Anschauungen zu Inhalten wachsen, doch erst die Kommunikation und Interaktion zwischen solchen Werte-Clustern kann gesellschaftlich relevante Veränderungen, sprich Innovationen generieren. Wertesysteme behindern sich dabei nicht selten gegenseitig – besonders wenn sie sich, im Extremfall, anscheinend diametral unterscheiden (Politik, Religion). Die Ex US-Außenministerin Madeleine Albright* sucht in ihrem hervorragenden Buch „der Mächtige und der Allmächtige“ die Lösung solch diplomatischer Herausforderung im Aufspüren des verbindenden kleinsten gemeinsamen Nenners. Zu einer äußerst interessanten Erkenntnis gelangt David Logan mit seiner gewiss etwas kontroversielleren Tribe-theorie. So teilt der Kommunikations- und Management Experte Wertegemeinschaften, die tribes, in 5 Entwicklungsstufen,Stages, ein. Logans hierarchische kategorisierung in gesellschaftliche Aggregatzustände erklärt nicht nur die soziale Selbsteinschätzung der Interessensgemeinschaft, sondern auch die Art der intro- als auch der extrovertierten Kommunikationskultur: David Logan on tribal Leadership

Stage 1: Life sucks.

Stage 2: My life sucks.

Stage 3: I’m great (and you’re not).

Stage 4: We’re great (and they’re not).

Stage 5: Life is great.

>> David Logan on tribal Leadership | TED Talk

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unfassbar | Kerstin Inga Meyer

The world does not end where we stop perceiving it – our personal habitat depends on our perception. Though the transition between our perceived world and the real world is smooth, things we do not notice do not exist for us. The boundaries of perception are the focus of my work – the things we tend to overlook, which we somehow miss, which we cannot exactly say, which are in the air. The nothingness, which is something.
An especially intermediate place, a centre of unseen actions, is the dinner table. I arranged dinners, which were recorded and whose graphical analyses were used as the basis for the forming of a table and chairs. Subtle glances across the table, or the positions and relations of feet under the table are two examples of such unnoticed actions. In the end, these behaviours speak their own language and make very strong statements.

In the meantime there were built several different tables and chairs, always depending on different dinners.
This work was presented in April 2009 on the Milan Furniture Fair at Salone Satellite and is now exhibited at the Museion, the museum of modern art in Bolzano.

*Madeleine Albright, frühere US-Außenministerin, ist skeptisch, was Frauen in Führungspositionen angeht. Sie gehöre nicht zu jenen, sagt sie, die glauben, dass „die Welt eine gänzlich andere“ wäre, wenn sie von Frauen geführt werden würde. „Wer so denkt, hat wohl vergessen, was an den High Schools los war.“

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