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>> who’s your city? __________________

30/09/2009

Transart 09

RichardFlorida 01

„who’s your city?“

Videokonferenz | Richard Florida | Toronto

EURAC Bozen | 30.09. um 20.30 Uhr

Städte und Landschaften prägen die Identität, wie die Wahl des Lebenspartners oder die Entscheidung für einen Beruf. Sie beeinflussen unsere sozialen und beruflichen Möglichkeiten und bestimmen unsere Chancen, ein glückliches und erfülltes Leben zu führen. Aber kann man die Identität eines Ortes bewusst konstruieren? Genau wie Kreativität kann sie nicht „von oben“ angeordnet werden.

Diese „Lecture“ hat Bozen bitter nötig. Denn der US amerikanische Soziologe Richard Florida präsentiert eine überzeugende Theorie, was Städte attraktiv und lebenswert macht.
Aus ihr wird deutlich, warum für eine Stadt Künstler vor Ort essentiell sind, nicht nur gefälliges Beiwerk.
Grundgerüst von Floridas Ideen ist die Bestimmung der „Creative Class“. Das sind alle die, die selbständig, weitgehend weisungsungebunden Neues entwickeln. Neben den „eigentlich“ Kreativen, wie Künstler, Musiker, Designer, Architekten, zählt Florida auch Rechtsanwälte, Professoren, Manager, Berater, Softwareentwickler, Ingenieure und sogar Friseure dazu.
Ökonomisch gesehen, bilden sie die wirtschaftlich entscheidende Basis einer Gesellschaft. In Amerika gehören ca. 33% aller Berufstätigen zur Creative Class, die aber 50% des Bruttosozialproduktes erwirtschaften.
FIG_7.1_Rise_of_the_Creative_Economy Jetzt und in der Zukunft, so prophezeit Florida, werden nur die Länder, Städte und Regionen wachsen, die eine genügend große Anzahl von Mitgliedern der Creative Class dauerhaft halten können. Da Städte wegen der demographischen Entwicklung kaum mehr aus sich selbst heraus wachsen können, müssen sie Kreative von außen importieren. Der Wettbewerb um sie ist mittlerweile global geworden.
Als die drei primären Attraktoren identifiziert Florida Technologie, Talent und Toleranz (die drei Ts). Sind die ersten beiden lange bekannt und belegt, bedeutet der dritte, – Toleranz -, Neuland.
Toleranz, Offenheit, Aufgeschlossenheit für Neues und Fremdes bilden die bestimmenden Merkmale einer anziehungskräftigen Stadt oder Region. Nicht unbedingt Eigenschaften die sich Südtirol auf die Fahne schreiben kann, geschweige will – zumindest muß man zu diesen Schluss kommen, verfolgt man die immergleichen politischen Diskussionen.Vor dem Hintergrund einer erhöhten Mobilität der Mitglieder der Creative Class zeigt sich die Fähigkeit Zugezogene schnell zu absorbieren und zu integrieren als entscheidender Faktor im Wettbewerb.

FIG_16.1_The_Place_Pyramid

Wo viele Künstler leben, sind die Chancen gut, daß sich weitere Kreative ansiedeln und die Wirtschaft floriert. Es reicht aber nicht aus Kunst und Kultur im Allgemeinen zu fördern. Erfolg stellt sich nur dann ein, wenn sie die spezifischen Bedürfnisse der Creative Class berücksichtigen.

Wer kreativ arbeitet, lebt häufig in einer zerstreuten Zeiteinteilung. Arbeit kann prinzipiell immer stattfinden, auch in der Nacht und am Wochenende. Kulturelle Angebote müssen sich danach richten.
Florida hat herausgefunden, daß die Mitglieder der Creative Class Zuschauerkultur vermeiden, dagegen „active Participation“ auf „street-level“ Ebene vorziehen. In der Pause, „zwischendurch“ den Arbeitsplatz verlassen, kurz entspannen, auftanken, an den Arbeitsplatz zurück, – das ist der Rhythmus kreativer Arbeit. Folglich muß Kultur lokal, in der Nachbarschaft, zeitlich aufgelockert stattfinden. Auch wenn Floridas These auf Amerika zugeschnitten ist, beinhaltet sie doch einige Ansätze, die auch für Bozen/Südtirol interessant sein könnten. Auch hierzulande gilt es, kulturelle Schwerpunkte zu setzten, Kreativität durch Investitionen in eine offene Infrastuktur zu fördern. Vorbilder könnten Städte wie z.B. Linz, die ehemalige Schwerindustriestadt, heute Innovations- und Kompetenzzentrum in Sachen IT, oder Graz, mit flächendeckendem Gratis-WiFi Internet sein – in Bozen könnte schon durch das Einrichten eines leistbaren, funktionierenden und benutzerfreundlichen Taxi Systems ein erster, längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung gemacht werden.

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>> Bausteine für eine neue Stadt | Die kreative Herausforderung | brand eins

Richard Florida studierte  Politikwissenschaften am Rutgers College und „Urban Planning“ an die Columbia University in New York. Er ist Autor und Professor an der Universität Toronto und lehrte u. a. an der Carnegie Mellon University, Harvard University und am MIT.

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