Zum Inhalt springen

>> Wohlfühlindex __________________

23/09/2009
tags:

ranking

Der vor kurzem verstorbene amerikanische Politiker Bobby Kennedy sagte schon vor vierzig Jahren, das Bruttosozialprodukt messe alles, «außer die Sachen, die dem Leben seinen Wert geben». So decken sich die Reichtumstabellen überhaupt nicht mit der «World Database of Happiness», die Umfragen über nationale Zufriedenheit zu einer Rangliste zusammenstellt. Das reichste Land der Welt, Luxemburg, liegt über die Jahre irgendwo zwischen den Plätzen 9 und 14. Der globale Wirtschaftsmotor, die USA, kommt im Glücksranking nur auf Platz 17. Am glücklichsten sind die Dänen, die aber in der Rangliste des Internationalen Währungsfonds der Pro-Kopf-Einkommen nur Platz 9 erreichen. Auch die Schweiz ist glücklicher als reich, doch Wohlstand und Lebenszufriedenheit liegen näher beieinander: Platz 2 in der Glücksrangliste und Platz 6 in der Reichtumstabelle.

bozen2detail

Ansicht von Bozen, 1840 | Frédéric Martens - Friedrich Salathé | Kolorierte Aquatinta

Sehr erstaunlich ist allerdings das Ergebnis zu dem „Il sole 24 ore“ [Montagsausgabe] zusammen mit dem „centro studi sintesi“ gekommen sind: Im Ranking zur Bewertung des „indice del benessere“ der italienischen Provinzhauptstädte [103 davon gibt es], wird Bozen auf den 80. Platz verwiesen und befindet sich, gleich hinter Städten wie Crotone und Bari, und kurz vor Catanzaro, wohl nicht gerade in allzubester Gesellschaft. Die Methode zur Berechnung der Rangliste wurde den Theorien des Nobelpreisträgers und Professors an der Columbia Universität in NYC, Joseph Stiglitz angelehnt, nach denen neben Quantität auch Qualität berücksichtigt wird – eine Formel zur Bewertung der Lebensqualität anhand von 8 Elementen: Die materiellen Lebensbedingungen, Gesundheit, Ausbildung, persönliche Aktivitäten, politische Beteiligung, soziale Beziehungen, Umwelt, physische und ökonomische Unsicherheit. Daß die Auswertung statistischer Daten nicht selten zu fragwürdigen oder zumindest erstaunlichen Ergebnissen führt ist allgemein bekannt. Auch die Macht der Interpretation derselbigen wird uns spätestens nach politischen Wahlen eindrucksvoll vorexerziert – dann, wenn Verlierer plötzlich glaubhaft machen wollen die großen Gewinner zu sein. Das vorliegende Ergebnis sollte so manchen Bozner Entscheidungsträger zumindest nachdenklich machen, vielleicht aber sogar zu einer kurzen selbstkritischen Betrachtung anregen. Man wird an dieser Stelle an die empörten Reaktionen vieler „Verlierer-Staaten“ der letzten PISA-Studie erinnert: Die Erhebung an sich wird erstmal medial in Frage gestellt – denn Angriff ist immernoch die beste Verteidigung. Leider wird dadurch aber die Chance verpasst Fragen zu stellen wie: „was ist Lebenqualität eigentlich?“ – abseits von Tourismuswerbung und Autentizitätsbemühung.

>> Das Ranking [pdf]

>> Financial Times DE Artikel

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: