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>> das Teil | die Summe | das Ganze ____

28/08/2009

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Möbel Redesign by Martino Gamper

Bei den derzeitigen Temperaturen um die 35°C ist der Gedanke an Flucht wohl kaum zu unterdrücken. Die Frage die sich stellt ist: wohin? Ein gemütlicher Bootsausflug am See? oder doch lieber ans Meer und sich am Strand amüsieren? In die Berge? Die Werkbank empfliehlt: ab in den kühlen Norden! genauer, nach London. Kreditkarte, Pass, ein ein paar bequeme Schuhe zum Tanzen und das Wochenende ist gerettet. Wie jedes Jahr am letzten Augut Wochenende findet dort nämlich der Nothing Hill Carneval statt. Das mit 1,5 mio. Besucher größte und stimmungsmäßig vermutlich heißeste Straßenfest Europas. Der Nothing Hill Carneval hat karibische Wurzeln ist inzwischen aber eine Londoner Institution – neben traditionellen Steeldrum Klängen und Salsa mischen sich an jeder Häuserecke D&B, Dubstep, Reagge, Grime, UK Garage und alle sonstigen möglichen und unmöglichen Beats und Breaks, tanzbaren Soundcollagen, Samples, Melodien, Ton & Text Fragmenten… zersägt, zerstückelt, wieder zusammengesetzt, verzerrt, gefunden, neuinterpretiert … ganz so wie Martino Gampers Möbel

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Tisch "Hexagon" by Martino Gamper

Der eigenen Schwiegermama sollte man beim Zurückkommen aus London sicherheitshalber nur vom Besuch der aktuellen Ausstellung „Super Contemporary“ erzählen, die der in London lebende und arbeitende Martino Gamper im DESIGN MUSEUM gestaltet hat. In der Austellung dreht sich alles um Architektur, Industrielles Design, Mode und Kommunikation. Fokus der Ausstellung ist dabei die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der progressiven Londoner Kreativszene und deren illustre Persönlichkeiten zu denen Martino Gamper zweifelsohne zählt.

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Martino Gamper

1998 kam der gebürtige Meraner nach London und schloss im Jahr 2000 sein Master am Royal College of Art ab. In der Folge entwickelte und produzierte er eine breite Palette von Objekten, teils limitiert, teils halbindustrielle Produkte und in die Umgebung passende Installationen. Seine Arbeiten wurden im Victoria & Albert Museum, Design Museum, Sotheby’s, Nilufar Gallery, Oxo Tower, Kulturhuset/Stockholm, MAK/Wien, National Gallery/Oslo und in verschiedenen anderen Galerien ausgestellt.

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Zwischen Kunst und Design

Martino Gampers Möbel sind alt und neu zugleich, weil sie aus bestehenden Möbeln gemacht sind. Es sind aber nicht nur die alten Bretter, Oberflächen und Fügungen, die Martino Gamper zu neuem Mobiliar zusammen zimmert, in seinen Projekten werden auch kunst- und designgeschichtliche Konzepte umgebaut. Mit Ready-made, Redesign oder Recycling lässt sich seine Arbeitsweise nur ansatzweise beschreiben; je nach Beobachtungswinkel scheinen die Möbel ständig zwischen Zweckmässigkeit und skulpturaler Präsenz zu changieren.

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Gamper ist nach eigenen Aussagen an einem Dialog zwischen Kunst und Design interessiert, was sich bereits in seinem Werdegang zeigt. Nach einer Schreinerlehre in seinem Heimatort Meran und einer längeren Weltreise studiert der 21-jährige gleichzeitig an der Akademie der bildenden Künste und der Universität für angewandte Kunst in Wien. Vor Studienabschluss geht er nach Italien zurück, um in Mailand für verschiedene Designbüros, unter anderen für Matteo Thun und Studio Barazzuol, zu arbeiten. 2000 folgt dann der Master am RCA.

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In London gründet er sein eigenes Studio «gampermartino Design». Hier kann er seine eigenen Projekte entwickeln, die mehr von der Kunst als von der Industrie inspiriert sind, denn Gamper versteht sich nicht als Problemlöser, sondern als Interpret und Sampler.
Zwischen 2000 und 2004 erforscht er in seinen Projekten das Phänomen der Ecke. Daraus entwickelt er ganz unterschiedliche Möbel wie z.B. ein übers Eck laufendes Bücherdisplay «The Book Corner»

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Remake und Redesign
Angeregt vom kunstvoll aufgetürmten Sperrmüll auf Londoner Strassen verwendet Gamper zunächst vor allem Möbelabfall, später auch Möbel aus den Wohnungen seiner Freunde. Wie im Projekt «We make Remake» (2002), das Gamper zusammen mit Rainer Spehl 2003 an Sotheby` s «Contemporary Show» ausstellt. Die bunt gemischten Stühle erinnern ans postmoderne Redesign. Ein weiterer Zugang zu Gampers Arbeitsweise ist Recycling und «sustainable Design.

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«100 Chairs in 100 Days and its 100 Ways» (2007)

Gamper ist interessiert am Prozess des Machens. Das Material, der Stil oder das Design der gefundenen Stühle und die verfügbare Zeit schränken ihn ein und fordern ihn zugleich heraus. Er untersucht das Potential der gebrauchten Möbel, indem er in ihre Geschichte eingreift. Damit zelebriert er eine neuartige Posthistoire des Umbaus, der Rekombination und Konfrontation in ganz alltäglichen Objekten.

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>> Super Contemporary noch bis zum 04. Oktober im Design Museum, London – der kürzlich verstorbene Jan Kaplicky (Future Systems) wird übrigens auch mit einer Ausstellung geehrt |  noch bis 01. Nov.

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