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>> Art|40|Basel______________Spezial II

15/06/2009

zu oft wird der Wert der Kunst mit jenem des Kunstmarktes verwechselt – die Kunst ist so frisch, wie es ihre Künstler sind . . . und es wird hoffentlich auch in Zukunft viele geben, die den Balanceakt zwischen Kunst und Kommerz beherrschen – die sich und ihren eigenen Geschichten treu bleiben. es gibt viele die’s nicht „können“ (kunst kommt also doch von können?). auch das wird leider oder logischerweise an der Art sichtbar – nebst vielen wunderbaren Kunstwerken natürlich!

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Die wichtigste Kunstmesse der Welt zeigt, dass der Markt für Bewährtes stabil ist. Experimente werden kaum riskiert. Neben der Art|Basel sind es darum vor allem die parallel dazu laufenden Messen und Ausstellungen und Off-Spaces die junge und frische Kunst zeigen: Volta, Scope, Liste_09, Design|Miami, High Voltage um nur einige zu nennen. Folgend eine kleine Sammlung von Eindrücken als Videozusammenschnitte unterstützt von Vernissage TV:

>> Art|Basel|Unlimited

>> Design Miami /Basel

>> Art|40|Basel

>> Liste 09

Wie wurde die Art|Basel zur wichtigsten Kunstmesse der Welt? Am Schnittpunkt zwischen Schweiz, Frankreich und Deutschland, die beindruckende Dichte von herausragenden Gallerien, Sammlungen, Museen und Stiftungen, Hotspot für zeitgenössische Architektur, Basel liegt malerisch, strategisch und entspannt am Rheinknie doch:

Was macht die Art besser als andere Kunstmessen?

Interview mit Kunsthistorikerin Ilona Genoni

Die Art Basel profitiert heute davon, dass Erfolg Erfolg nach sich zieht. Sie gilt als die beste Kunstmesse der Welt mit den wichtigsten Galerien, dafür bieten die Selektionskriterien Gewähr. Ein Trumpf ist ihr Datum: Seit ihrer Gründung 1970 findet die Art unmittelbar zwischen der Biennale von Venedig und der Kasseler Documenta statt, also dann, wenn die internationale Kunstkarawane durch Europa zieht. Ein weiterer Vorteil ist der Standort Schweiz mit seinen steuerlichen und rechtlichen Vorteilen. Beispielsweise das fehlende Folgerecht, also die prozentuale Beteiligung des Künstlers am Weiterveräusserungserlös seines Werks.

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Schon 1972 schrieb die FAZ: «Die Basler Kunstmesse scheint endgültig zur Institution geworden, die weltweit nicht ihresgleichen hat». Warum dieser rasante Aufstieg?
Man darf nicht vergessen, dass die Kunstmesse als Form der Kunstvermittlung und -vermarktung damals gänzlich neu war. Kunst aus der ganzen Welt, konzentriert an einem Ort, für jedermann zugänglich – das kam beim Publikum und den Sammlern an. Bereits an der ersten Art waren erstklassige Galerien vertreten wie Marlborough. Ernst Beyeler, einer der drei Gründer der Art, lockte damals renommierte Galerien nach Basel.

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Hat die Art Basel das Handeln mit Kunst verändert?
Sie hat es erweitert. Bis in die Sechzigerjahre kaufte man in Galerien oder direkt aus Ausstellungen. In Basel hingegen wurde Kunst plötzlich als Ware gehandelt: in einer Messehalle, in der sonst Näh- und Waschmaschinen verkauft werden. Zum Vergleich: Der Kölner Kunstmarkt, die heutige Art Cologne, fand in einem gotischen Festsaal statt.

Mit welchen Folgen?
Dass die Kunst die heiligen Hallen der Museen und Galerien verliess, hat anfangs für heftige Diskussionen gesorgt. Innert weniger Jahre hatte sich aber die Messe als neue Vertriebsform und Begegnungsort durchgesetzt. Die Art machte die Kunst zugänglicher und den Kunsthandel transparenter. Das Modell wurde mit überwältigendem Erfolg kopiert, rund 600 Messen werben heute um Galerien und Sammler.

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Welche Ziele verfolgten die Gründer mit der Art Basel?
Sie reagierten damit auf den Kölner Kunstmarkt. Diese älteste, 1967 gegründete Kunstmesse war sehr selektiv: Sie galt als elitäre Klubveranstaltung mit fast ausschliesslich deutschen Galerien. Die Art hingegen war von Beginn weg offen und international ausgerichtet. Anderseits wollten sich die Basler Galeristen gegen die Konzentration des Kunsthandels in Zürich zur Wehr setzen. Es waren die Zürcher Galerien von Bruno Bischofberger, Renée Ziegler, Gianfranco und Annemarie Verna und anderen, die den Handel mit internationaler Gegenwartskunst in der Schweiz dominierten. Auch die beiden grossen Auktionshäuser, Christie’s und Sotheby’s, wählten Zürich als Standort. Basel drohte ins Hintertreffen zu geraten.

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Welches waren die entscheidenden Entwicklungsschritte der Art Basel?
In ihrer Anfangszeit war sie eine reine Warenmesse, auf der Kunstwerke gehandelt wurden. Diese Definition der Messe erweiterte der damalige Direktor der Art, Lorenzo A. Rudolf, im Jahr 1993: Er organisierte Veranstaltungen, die nicht direkt mit dem Verkauf von Kunst zu tun hatten. Rudolf führte auch Selektionskriterien ein – nur wenige Galerien waren bis dahin abgewiesen worden. Dieses Konzept – Qualität respektive Exklusivität und Event – baute Sam Keller, zwischen 2000 und 2007 Direktor der Art, gezielt aus. Mit zahlreichen, nicht kommerziellen Crossover-Veranstaltungen und kuratierten Formaten erweiterte er die klassische Tradeshow und machte sie zur komplexen kulturellen Grossveranstaltung.

Sehen Sie die aktuelle Wirtschaftskrise nur als Bedrohung oder auch als Chance für die Kunst und den Kunstmarkt?
Für die Art Basel ist die Krise eine Chance. Die Geschichte zeigt, dass die Art ihren Vorsprung auf andere Messen in Krisenjahren stets ausbauen konnte. Was auch in schwierigen Zeiten gut geht, sind qualitätsvolle Werke, sichere, bleibende Werte. Und die findet man eben am ehesten in Basel.

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