>> um die Ecke gedacht ______________

White Cube, eingeschnitten, abgeschnitten, ausgehölt und perforiert.
Studentenwohnhaus | Innsbruck Unibrücke
Der Bauherr, die Unternehmensgruppe ZIMA, beweißt mit dem Wohnbau „Höttinger Au“ einmal mehr sein ambitioniertes Verhältnis zur zeitgenössischen Architektur. Vor allem im Raum Innsbruck wurden von dem, übrigens auch in Südtirol tätigen Unternehmen mehrere mutige Projekte realisiert. Bleibt zu hoffen, daß das Bekenntnis zu innovativer Architektur auch hierzulande schon bald erste Blüten trägt.

In der Innsbrucker Höttinger Au errichteten Manzl Ritsch Sandner Architekten einen in erster Linie für studentische Nutzer konzipierten Wohnbau mit Büroflächen bzw. einer Gastronomie im Erdgeschoss. Auf den ersten Blick nicht erkennbar, bezieht sich das Projekt sowohl räumlich wie inhaltlich auf den Typus des Inn-Salzach-Stils und erinnert in seiner Grundhaltung an deren Ambivalenz von Außen und Innen.
Nach außen präsentiert sich der an der Universitätsbrücke gelegene Solitär als auffälliger Monolith. Ein White Cube mit einer markant abgeschnittenen Ecke. Die rhythmisch versetzten Fensteröffnungen der Fassade erscheinen wie Pixel und erinnern dabei entfernt an den Unibau, Zollverein Essen.

Über die unmittelbare städtebauliche Reaktion hinaus steht der Baukörper im großstädtischen Kontext zu den „satellitenhaft positionierten Aussenstellen der Innsbrucker Altstadt“ (Turnus-Vereinshaus, Churrascohaus, Ansitz Liebenegg, Zeughaus etc.).

Angesichts der komplexen Außenraumbedingungen des Bauplatzes erschien den Architekten eine Weiterführung der umgebenden orthogonalen Stadtstruktur nicht zielführend: „Wir stellen der „fragmentierten Gestimmtheit“ des Ortes einen nach außen hin homogenen, beruhigten Körper entgegen“.

Im beabsichtigten Bruch mit der aus den 1960er und 1980er Jahren stammenden Bebauung wurde deshalb ein Baukörper entwickelt, der nach allen Seiten differenziert auf den Straßenraum reagiert.

Ein haushoher Eingangsschlitz führt in die komplett andersartige „Innenwelt“ des Baukörpers, wo zwei geknickte, gegeneinander verschobene, schräge Wandscheiben einen eigenständigen Raumkörper bilden. In Bezugnahme auf Hofsituationen in der Altstadt schufen die Architekten hier einen urbanen, mit Stöcklpflaster ausgelegten und von breiten Laubengängen erschlossenen „Gassenplatz“.

Im Kontrast zum kristallinen Äußeren – glatter Feinputz überzogen mit einer glänzend weißen Farbe – sind die Innenhoffassaden mit vertikalen Eichenlamellen verkleidet. Der „Gassenplatz“- artige Innenraum nimmt Anleihe an Hofsituationen der Innsbrucker Altstadt (Gumpphaus Herzog-Friedrichstraße, Kiebachgasse, Domplatz). Proportionen und Höhe des Raums wurden über die Jahrhunderte sozusagen langzeiterprobt. Die nach oben offene, überdachte „Gassenhalle“ bzw. „Hallengasse“, gebildet aus zwei Paravent-artig geknickten schrägen Wandscheiben, steht für sich – sie “verbindet – indem sie trennt“. Die Raumschrägen folgen dem Licht und konkurrieren mit der rationalen Außenhaut.








