>> Die Fiktion des Realen _____________
Seebad Kalter | the next ENTERprise architects
the next ENTERprise | die Fiktion des Realen | Vortrag 08.10 aut, Innsbruck
„Das Provozieren von Zufällen und Unvorhersehbarem ist unsere Strategie für die Raum- und Programmproduktion von Architektur. Wir arbeiten daran, alles aufzuspüren, was über das reine Funktionieren hinausführt – es ist das Wesen von Architektur wie wir sie uns vorstellen.“
Die Freizeitwelten des 21. Jahrhunderts sind Fertigteilwelten. Ob Shoppingcenter oder Erlebnisbad, beide entstehen in der Regel aus der Synthese von optimierten Funktionsdiagrammen und narrativem Oberflächendesign. Bei ihrem Seebad für die Südtiroler Gemeinde Kaltern verlassen tnE den Weg des vorgefertigten Spektakels der Wasserrutschen und Wellenmaschinen und des Themenparks. Sie heben nicht nur die Schwimmbecken aus ihrer gewohnten typologischen Verankerung, sondern individualisieren auch den Erlebnisbegriff. Gleichzeitig aktualisieren sie unsere Vorstellung von Natur und Landschaft.
Kalterer See | Grotte Lido
Nicht nur die Oberfläche, die sich im Kräuseln der vom Wasser informierten Textur des Betons wieder findet, sondern auch die räumlichen Tiefen des Sees mit seinen Unterwassertopografien formen den künstlichen Wasserkörper – werden im Copy & Paste Verfahren ans Ufer verpflanzt. Man kann die Perspektive eines Tauchers oder eines Schwimmers einnehmen, eines Fisches oder einer sich in die Wellen stürzenden Möwe, eines Surfers oder eines Promenadenflaneurs oder auch eines Theaterbesuchers, denn selbst die Seebühne wird in Form eines arenahaften Atriums mitverpflanzt. In dieser großzügigen mimetischen Geste wird der besondere Reiz des natürlichen Badesees aber nicht verdoppelt. Vielmehr reinszeniert der architektonische Seekörper die Spielarten der vorhandenen Wasserwelt und fügt der Natur neue hinzu. Diese Aufführung von Natur ist immer schon künstlich und verweist damit auf den prekären Status unserer individuellen Körperwelten, die unwiderruflich medialisierte und inszenierte sind.
Das Auffinden und das Schaffen von Räumen, die erobert werden wollen, ist Programm der seit 2000 als „the next ENTERprise“ zusammenarbeitenden ArchitektInnen Marie-Therese Harnoncourt und Ernst Fuchs. Sie widmen sich konkreten Bauaufgaben genauso wie Installationen und experimentellen Eingriffen im Stadtraum. Im Widerstand gegen die Eindeutigkeit einer Dienstleistungsarchitektur gehen sie davon aus, dass Raum erst in der Benutzung seine Funktion findet und eröffnen mit dieser Denkweise einen Diskurs, in dem das nicht Planbare und das nicht Definierbare eine wesentliche Rolle spielen.
>> Hier tanzt der Beton | Modell des skulpturalen Betonkörpers mit RegenGrotte
Der Vortrag “die Fiktion des Realen” von the next ENTERprise architecs findet am Donnerstag 08.10. im aut Innsbruck statt, Beginn 19.00 Uhr.
>> Christian Kerez | Traum & Wirklichkeit | Ausstellung bis 19.12 | aut Innsbruck
Der Schweizer Christian Kerez betrachtet sich als „Architekt ohne Eigenschaften“, der sich soweit wie möglich aus dem Entwurf heraus hält, um an seiner Stelle die „Fakten“ entscheiden zu lassen.
„Die Reduktion auf das Wesentliche, die mich interessiert, hat nichts mit Bescheidenheit und Zurückhaltung zu tun, welche schnell einmal eintönig wird. Die Reduktion, die mich interessiert, hat eine Überhöhung der architektonischen Elemente zur Folge. Sie ist eher anmaßend als still und verhalten. Sie ist eine Radikalisierung und Bewusstmachung architektonischer Zusammenhänge.“ Christian Kerez
















