>> Voyeur vs. Exhibitionist ____________
Studentenprojekt an der Fakultät für Design und Kunst | Uni Bz | Victor Matic
Nicht alles, was belauscht werden kann, sollte belauscht werden, nicht alles, was zu sehen ist, muss man sich ansehen. Das ist eine Frage der Etikette.
15mb Fame | Is what we see real, fake or modern life?
„Thank Web 2.0, Internet user today have the opportunity to create, publish and share individual artefacts with the whole net community. through a selection of public myspace or facebook profile photos this project shows all the facettes of these “publish yourself” services but it also raises questions regarding the limits of our virtual behaviour.“
„15mb fame“ by Victor Matic is a book with uncensored photos full of sex, violence, fetish, fun, party, freaks, gays, asses, titts, children and many more.
>> Voyeur vs. Exhibitionist | Flipbook „15mb Fame“
In den Niederlanden haben die Menschen schon seit der Frühzeit des Calvinismus keine Vorhänge im Erdgeschoss. „Seht her“, hieß das ursprünglich einmal, „wir haben nichts zu verbergen, unsere Teller sind auch nicht aus Gold und wir essen Kartoffeln, genau wie Ihr, liebe Nachbarn“. Zum guten Ton gehört umgekehrt bis heute, dass man trotz fehlender Vorhänge nicht durch die Fenster ins Wohnzimmer starrt (das tun nur die Touristen).
Diese Art von Etikette hat sich unter den besorgten Beobachtern der „Jugend von heute“ noch nicht so recht durchsetzen können – dabei wäre es ganz einfach, per Analogieschluss zu einer angemessenen Art des Umgangs zu kommen. Wer bei Facebook, StudiVZ oder MySpace Bilder von sich ins Netz stellt, wer von der rauschenden Party am Vorabend berichtet, der ist in der Regel keineswegs „exhibitionistisch“, wie das in nahezu jedem Artikel über die Jugend und das Netz zu lesen ist. Die Leute, die da kommunizieren (denn nichts anderes geschieht dort), reden ja gar nicht mit Ihnen. Sondern mit ihren eigenen Freunden und Bekannten. Ihrem privaten Umfeld.
Nun aber ist die Situation so: Die gleichen, die heute den Exhibitionismus der User beklagen, glotzen morgen wieder durch die geöffneten Wohnzimmerfenster der Social Networks, wenn es eine Geschichte hergibt. Das Durchwühlen privater Profile auf Community-Web-Seiten gehört inzwischen bei so manchen zur Gewohnheit. Mit anderen Worten: Der Voyeur selbst ist es, der hier „Exhibitionismus“ anprangert.
„15 mb Fame“ zeigt Bilder ohne Worte, ohne Namen: Victor Matic nimmt den privaten Momentaufnahmen das Kompromitierende, reisst sie aus dem Kontext und schenkt ihnen Anonymität. Starke Bilder dokumentieren explizit aber wertfrei ein Kultur-Phänomen, erweitern den Begriff des zeitgenössischen Selbstportraits und regen den einen oder anderen sicher zur Reflexion über den Begriff „privacy“ an.












