>> Parallelwelt______________________
Getarnt und Geheim – Nachhaltige Zeichen in der Landschaft
Am Ende der neunziger- Jahre wurden nach langen Verhandlungen dem Land Südtirol vom Staat Italien zirka 2.500 Parzellen übertragen, darunter auch eine für die Vermögensverwaltung neue Kategorie von Immobilien: Bunker und Verteidigungsanlagen. Rund 350 Wehranlagen, die bis dahin strengster Geheimhaltung unterlagen waren damit Teil dieser unbekannten Parallelwelt. Der Bunkerbau hat jedoch eine lange Tradition in Südtirol: in der KuK Zeit, während des I. und II.Weltkrieg und auch später in der Zeit des Kalten Krieges, also zwischen den 60ern und 80ern wurden im Grenzland Südtirol kilometerlange Stollen ins Gebirge getrieben, massive Bunker betoniert und weitläufige Sperranlagen unauffällig in die Landschaft integriert.
“Unter den Bunkern waren zahlreiche Objekte, die architektonisch und historisch hoch interessant waren, und über deren weitere Verwendung wir zu entscheiden hatten”, bestätigt LH Luis Durnwalder. Zirka zwanzig Bunker und Anlagen wurden daher für eine kulturelle, didaktische und touristische Verwendung ausgewählt. Inzwischen sind einige schon umfunktioniert worden und öffentlich zugänglich.
Es ist jedoch viel reizvoller, die abgelegenen, oft im Hochgebirge gebauten Wehranlagen des Alpenwalls auf eigene Faust [und mit eigenem Risiko] zu erkunden. Dabei wird man oft genug feststellen, wie schwer diese Anlagen aufgrund ihrer Tarnung selbst mit perfektem Kartenmaterial im Gelände zu finden sind. Dies trifft ganz besonders auf Kavernenanlagen zu, deren kleinen Scharten von weitem nur schwer auszumachen sind. Hilfreiche Utensilien bei der Suche sind ein Fernglas, eine topografische Karte sowie Kompass und Höhenmesser. Oft geben die Trampelpfade der neugierigen Dorfjugend oder die Schuttkegel, die beim Bau der Kavernenanlagen unterhalb der Scharten und Eingänge anfielen die entscheidenden Orientierungshinweise.
Das Betreten der Festungswerke ist dabei ein eigenes Kapitel. Anlagen, die nach dem Krieg nicht mehr vom Militär genutzt wurden, wurden meist zugemauert. Die leichten Mauern wurden jedoch häufig von Neugierigen eingedrückt, so dass man, die notwendige Gelenkigkeit vorausgesetzt, hier leicht einsteigen könnte. Die Anlagen befinden sich meist in sehr gutem baulichen Zustand. Gefahren gehen jedoch von tiefen senkrechten Stiegenschächten und Latrinengruben aus, zumal wenn diese von wohlmeinenden Besuchern mit Holzbrettern zugedeckt worden sind, die mittlerweile morsch geworden sind. Auch hölzerne Wendeltreppen, die in der feuchten Atmosphäre brüchig geworden sind, stellen ein besonderes Gefahrenmoment dar.
Die äußerst umfangreiche online Dokumentation “Alpenwall Südtirol” kann den entdeckungsfreudigen Wanderer und Bergsteiger der sich neben Enzian und Edelweiß auch für diese Parallelwelt begeistern kann mit Bild- Text- und Kartenmaterial weiterhelfen.
>> Segretissimo – Video über die Bunkern in Südtirol
>> ZDF History - Video zur Geschichte der Grenzregion














Trackbacks