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>> Bauen in den Bergen (Doku)

20/06/2014

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BAUEN IN DEN BERGEN
DIE LANDSCHAFT HEREIN HOLEN

Ein Film von Teresa Andreae
ORF Dokumentation vom Donnerstag, 19. Juni, 17.35 ORF 2

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Ist ein gläsernes Hochhaus in den Bergen ok? Oder passt die gute alte Holzstrickbauweise besser in die alpine Landschaft? Wie soll man heute in den Bergen bauen? Sind die viel zitierten Regeln von Architekt Adolf Loos Schnee von gestern? Allgemeingültige Regeln gibt es heute nicht mehr, alles scheint erlaubt. Tirol zählt zu den touristisch am intensivsten genutzten Ländern der Welt. 2013 verzeichnet  man 45 Millionen Nächtigungen. Durch den Klimawandel bedingte Gletscherschmelze und Schneemangel sind offensichtlich kein Thema. Wenn der Schnee ausbleibt, wird er künstlich produziert. Die Skigebiete rüsten permanent nach – neue Seilbahnen, Hotels und Gipfelrestaurants entstehen. Die pure Schönheit der alpinen Landschaft reicht längst nicht mehr, die Berge werden mit Aussichtsplattformen und Gletscherspektakeln in Szene gesetzt.
Wie gehen zeitgenössische Architekten mit der beeindruckenden aber auch gefährdeten alpinen Landschaft um? Gelingt es, Neubauten harmonisch ins Gelände einzufügen oder setzen die Baukünstler bewusst Landmarks? Geht es um eine Weiterentwicklung der traditionellen Formensprache oder um das Experimentieren mit neuen Formen und Materialien. Welche alternativen Energiekonzepte gibt es?

In der Dokumentation „Bauen in den Bergen. Die Landschaft herein holen“ zeigt Teresa Andreae neue Beispiele aus Nord- Ost und Südtirol. Der Bogen spannt sich vom Glaskubus in 3000 Meter Höhe in den Ötztaler Alpen bis zum gigantischen Hotelkomplex mit Hochhaus am Fuße des Großglockners, von der aus der Topographie entwickelten Stahlkonstruktion am Stubaier Gletscher über die sanft sanierte Almhütte bis zum schwarzen Wohnhaus am Steilhang in den Dolomiten. Architekten, Investoren und die Benützer kommen zu Wort. Und zuletzt stellt sich die Frage, wie es weitergeht. Werden die Berge in Zukunft von energieautarken Polyesterblasen bevölkert?

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>> Made in Germany

15/06/2014

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“Made in Germany” Erfunden hat es jedenfalls kein Deutscher – und als es 1887 zum ersten Mal auf deutschen Produkten prangt, ist es auch ganz gewiss nicht als Ausdruck herausragender Qualität gedacht. Denn zu Anfang der Industrialisierung gelten die Erzeugnisse des Spätzünders Deutschland als billig, schlecht und wenig haltbar. Davon kann man sich etwa auf den Weltausstellungen überzeugen, die seit 1851 alle paar Jahre stattfinden: Über die deutschen Pavillons rümpft das Publikum gern die Nase. Einzig mit traditionsreichen Handwerksprodukten kann Deutschland punkten: mit Musikinstrumenten etwa, mit Holzspielzeug aus dem Erzgebirge oder Kuckucksuhren aus dem Schwarzwald.

In der Zeit der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert waren die Briten aufgrund der immens wachsenden Produktionsmöglichkeiten führend, wenn es um neue Erfindungen ging. Deutschland hinkte hinterher und versuchte, über Spionage an Ideen zu kommen. Um billige Kopien aus Deutschland zu „brandmarken“, führten die Briten das Ramschsiegel „Made in Germany“ ein – doch dieses sollte einen wundersamen Imagewechsel erleben.

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Am 17. Oktober 2013 hat sich der Binnenmarktausschuss im Europäischen Parlament dafür ausgesprochen, Hersteller und Importeure von Produkten zur Angabe des Herkunftslandes zu verpflichten. Sie sollen sich dabei an den EU-Zollregeln orientieren; dies dürfte es vielen deutschen Unternehmen erschweren oder unmöglich machen, teilweise im Ausland gefertigte Produkte noch als „Made in Germany“ zu verkaufen.

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Die EU-Kommission erwägt, den Zollkodex zu ändern. Dann wäre der größte wertsteigernde Teil des Herstellungsprozesses entscheidend – und der liegt bei vielen „Made in Germany“-Produkten zum Beispiel in China. In Kraft treten kann die geplante Änderung, wenn sich EU-Kommission und Europaparlament auf eine gemeinsame Position geeinigt haben. Die Hersteller begründen die Verwendung des Gütesiegels “Made in Germany” bei Produkten, die ganz oder teilweise im Ausland gefertigt werden mit Forschung, Design und Qualitätssicherung, die in Deutschland angesiedelt sind und deutschen Werten entsprechen.

125 Jahre danach gibt es die Herkunftsbezeichnung „Made in Germany“ noch immer – als weithin bekanntes Gütesiegel. Doch der Blick zurück in die Zeit der Industriellen Revolution zeigt einen bemerkenswerten Imagewandel. Denn Anfang des 19. Jahrhunderts brummten die Fabriken und Fertigungshallen in Großbritannien, die neuen Möglichkeiten und die unbegrenzten Dienstzeiten der Arbeiter ließen neue Erfindungen wie Pilze aus dem Boden schießen.

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Ganz anders war die Situation in Deutschland, wo von Industrialisierung noch keine Spur war. Darum machten sich Industriespione auf den Weg nach England, um sich dortiges Know-how unter den Nagel zu reißen, um es in Deutschland in den eigenen Fabriken umgehend anwenden zu können. Etliche deutsche Unternehmen schickten Mitarbeiter auf „Studienreise“, wie es offiziell hieß.

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Zurück in Deutschland brachten die Studienreisenden ihr Wissen gleich in ihre Fabriken, wo die kopierten Konzepte in zweitklassige Ware, die zu Billigpreisen auf den Markt geworfen wurde, ergingen. Schnell überlauerten die Briten die zirkulierenden Ramschimitate und verpassten den Deutschen ein entsprechendes Image. Und ist der Ruf ruiniert, lebt sich’s gänzlich ungeniert: Sogar namentlich gekennzeichnete Markenprodukte wurden kopiert. Anfänglich lediglich mit Hohn belegt, schlug das Stimmungsbild gegen die Deutschen bald auf Empörung um.

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Die Briten führten ein Siegel ein, das aus Deutschland importierte Produkte als ebensolche kennzeichnete – der Stempel „Made in Germany“ haftete in der Folge auf Billigimitaten aus Deutschland. Dem zugrunde lag der 1887 vom englischen Parlament beschlossene „Merchandise Marks Act“. Dieser schrieb vor, dass auf Waren unmissverständlich das Herkunftsland anzugeben sei. Sogar bekannte Stimmen aus Deutschland kritisierten die eigenen Produkte, als „billig“ und „schlecht“ qualifizierte sie der bekannte deutsche Ingenieur Franz Reuleaux ab.

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Aufstieg zum Gütesiegel

Doch die Abneigung der Briten und die negative Bestandsaufnahme in den eigenen Reihen riefen eine veränderte Dynamik hervor. Die interne und externe Kritik wirkte beflügelnd, viele Fabriken starteten eine Qualitätsoffensive, verbesserten das Preis-Leistungs-Verhältnis. Bald waren die Produkte jenen aus Großbritannien ebenbürtig.

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Somit wandelte sich „Made in Germany“ bald zu einem Gütesiegel – der von den Briten als Negativsiegel gedachte Schriftzug bewirkte auf einen Schlag das Gegenteil. Denn die deutschen Waren standen den britischen in Sachen Qualität um nichts nach, noch dazu waren sie teils deutlich günstiger. Deutschland konnte noch billiger produzieren als der Konkurrent, schließlich existierten dort noch keine Gewerkschaften. In Großbritannien waren diese bereits seit 1872 staatlich anerkannt.

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Aufstieg zu Marktführern

Die Qualitätsoffensive verschaffte vielen Produkten zu einem Weg in den britischen Binnenmarkt, zwischen 1883 und 1893 stieg der Gesamtwert der von Deutschland nach England exportierten Waren um ganze 30 Prozent. Bald fanden sich heute noch existierende Produkte in den Regalen Londons und New Yorks: Marken wie Aspirin, Faber-Castell und Märklin stiegen zu unangefochtenen Marktführern auf – alle mit dem Siegel „Made in Germany“ versehen.

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Bis heute ist “Made in Germany” kein geschütztes Qualitätssiegel, das nur nach aufwendigen behördlichen Prüfverfahren vergeben wird wie etwa der “Blaue Engel” für besonders umweltfreundliche Produkte. In der Vergangenheit hat das immer wieder zu Streit geführt: So entschied etwa das Oberlandesgericht Stuttgart 1995 mit Verweis auf das Wettbewerbsrecht, dass Produkte “Made in Germany” auch tatsächlich in Deutschland gefertigt sein müssen – zumindest größtenteils. Denn im Zuge der Globalisierung haben viele deutsche Traditionsmarken ihre Produktion längst in Billiglohnländer ausgelagert, wollen aber vom Klang des Qualitätslabels weiter profitieren.

Kein europäisches Land leidet heute so sehr unter Produktpiraterie wie Deutschland, kein Schriftzug wird dabei so häufig kopiert wie “Made in Germany“. Vielleicht ein Stück ausgleichende Gerechtigkeit – schließlich hat sich einst auch Deutschland mit Tricksen, Täuschen und Kopieren auf dem Weltmarkt hochgearbeitet.

>> Zeitsprung im Taxipalais

05/06/2014

Zeitsprung_Banner_14001630Zeitsprung – noch bis 31. August

50 Jahre Galerie im Taxispalais

Die Innsbrucker Galerie im Taxispalais auf der Maria-Theresien-Straße feiert heuer ihr 50-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum präsentieren nun neun international erfolgreiche Künstlerinnen und Künstler aus Tirol eigens für die Taxisgalerie konzipierte Arbeiten in der Ausstellung “Zeitsprung”. 1964 wurde die Galerie im Taxispalais als “Informationsgalerie mit überregionalem Programm” gegründet – von Paul Flora, Wilfried Kirschl und Oswald Oberhuber. Die Galerie ist sehr bald zu einem Magneten für Kunstinteressierte geworden. Österreichweit fand hier die erste Gerhard-Richter-Ausstellung statt. Stars wie Dan Flavin, Gilbert & George oder Donald Judd wurden damals in Innsbruck gezeigt.

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Die Ausstellung steht im Mittelpunkt des Jubiläumsjahres.  Sie versammelt mit Carola Dertnig, Heinz Gappmayr, Martin Gostner, Peter Kogler, Peter Sandbichler, Eva Schlegel, Martin Walde, Hans Weigand und Lois Weinberger renommierte Tiroler Künstlerinnen und Künstler, die auf eine internationale Karriere blicken können und bereits einmal in der Galerie im Taxispalais mit Einzelausstellungen vertreten waren. Ausgehend von der Arbeit war ist wird (1978) von Heinz Gappmayr, die auf der zentralen Betonwand im Hof der Galerie zu sehen sein wird, wurde für die Ausstellung der Titel Zeitsprung gewählt. Er bindet die einzelnen künstlerischen Beiträge lose zusammen und verweist auf das Ineinandergleiten von vergangener, gegenwärtiger und zukünftiger Zeit, sodass er gleichsam die Geschichte der Galerie mitreflektiert.

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Die Künstlerinnen und Künstler, unter denen sich Teilnehmer/innen von wichtigen Großausstellungen wie der documenta oder der Biennale von Venedig befinden und von denen einige an Kunstakademien unterrichten, werden jeweils einen Werkkomplex zeigen, wobei ein Großteil der Arbeiten eigens für die Ausstellung entsteht.

>> mehr zur Ausstellung

>> Architektur & Speck in der Lagune

03/06/2014

bigOverlayALPITECTURE MEETS BIENNALE
04. – 08. Juni 2014, Palazzo Bollani – castello 3647, Venedig

Seit 2009 macht sich alpitecture zur Aufgabe, Kreative mit den Verantwortlichen zu verbinden, die im Zuge von Bauprojekten für die Umsetzung und Realisierung zuständig sind. Erstmals präsentiert sich diese Südtiroler Architekturplattform, initiiert durch die Export Organisation Südtirol, auf der Biennale in Venedig. International erfolgreiche Architekturbüros und Teilnehmer an alpitecture sowie Südtiroler Unternehmen präsentieren sich mit dem Thema ‘Topographic Structure’ vom 4.-8.6. im Palazzo Bollani.

Der Kurator von ‘alpitecture meets biennale’ wurde angehalten ein Konzept für die Installation zu entwickeln, welches federleicht ist, um die sinkende Stadt nicht unnötig zu belasten und damit alle Casanovas noch etwas länger ihr Unwesen in Venedig treiben können. Ein Baustoff musste gewählt werden, welcher, wie Lego, simpel in der Anwendung ist, modular verbaut wird und die Flexibilität eines Zauberwürfels besitzt.

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Die Architekturausstellung verbindet das längst Bestehende mit dem Kurzweiligen. Die Architekturgeschichte definiert sich an Hand der Vorgaben der Natur. Material und Form passen sich an, ordnen sich jedoch nicht bewusst unter. Speziell zeigen die Architekturbüros in der von ihnen selbst gestalteten Ausstellung auf, wie sie in Projektaufgaben hierzu im Kontext umgegangen sind.

collage_bDie Vorbereitungen laufen auf Hochtooren … wer hat schon wieder den Scotch *(ital. für Klebeband)

alpitecture meets Biennale ist die Ausstellung Südtiroler Bauhandwerksbetriebe während der Preview- und Eröffnungstage der Architekturbiennale 2014 im venezianischen Palazzo Bollani. Der Palazzo bietet tagsüber, unweit der Giardini und der Arselnale ein Ort der Ruhe und Inspiration. Bei Südtiroler Spezialitäten findet der Austausch der Partner mit den Besuchern statt, so dass diese die Qualität Südtiroler Handwerks kennenlernen.

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Die Ausstellung wird als weiterer Katalysator genutzt, um viele Gäste an den Tagen im Palazzo begrüßen zu können. Um zur Location zu gelangen stehen während der Tage u.a. zwei Wassertaxen zur Verfügung, die zwischen der Anlegestelle Giardini und dem Palazzo hin und her pendeln.

TEILNEHMENDE BÜROS DER AUSSTELLUNG

+ Zaha Hadid Architects LONDON
+ SNØHETTA OSLO, NEW YORK
+ GRAFT BERLIN, PEKING, LOS ANGELES
+ LAVA STUTTGART, BERLIN, SYDNEY
+ querkraft architekten WIEN
+ bergmeisterwolf architekten BRIXEN
+ blauraum architekten HAMBURG
+ monovolume architecture BOZEN
+ yes architecture MÜNCHEN
+ Roland Baldi Architects BOZEN
+ MoDus Architects BRIXEN

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>> Die große Kunst, ein kleines Haus zu bauen

30/10/2013

7. Südtiroler Architekturpreis

15/10/2013

SÜDTIROLER ARCHITEKTUR PREIS

7. Südtiroler Architekturpreis

>> Publikumspreis

Der Südtiroler Architekturpreis wird alle zwei Jahre von der Architekturstiftung Südtirol ausgeschrieben und es werden herausragende Objekte in Südtirol prämiert, welche seit 2008 fertig gestellt wurden.
Heuer gibt es zum ersten Mal auch den Publikumspreis. Eine Jury hat aus den insgesamt 149 Einsendungen die besten vier je Kategorie (public, housing, office & industry, tourism, open spaces, interior und renovation) ausgewählt. Die insgesamt 28 Projekte sind auf dieser Homepage veröffentlicht. Wir bitten Sie, sich diese anzusehen und bis zum 18. November 2013 jenem Projekt ihre Stimme zu geben, das Ihnen am besten gefällt.

ARCHITEKTURPREIS SÜDTIROL PUBLIKUMS VOTING>> zum Voting

Die Preisträger werden am 21. November 2013  im Konzerthaus (Auditorium) Joseph Haydn in Bozen, im Rahmen des Festes der Architektur bekannt gegeben. Es werden ein 1. Preis, sieben Kategorienpreise und der Publikumspreis vergeben.

7. ARCHITEKTURPREIS SÜDTIROL PUBLIKUMS VOTING

>> Ein Kaufhaus für Bozen _____________________

06/03/2013

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Bozen ist wohl eine der einzigen Landeshauptstädte die über kein Einkaufszentrum oder Kaufhaus verfügen. Was andernorts als notwendige und selbstverständliche Infrastuktur angesehen wird, wurde hierzulande seit Jahrzehnten als Teufelswerk für eine werteverfallene konsumgeile  Gesellschaft gesehen. Südtirol wurde von Politik und einer kleinen aber mächtigen Kaufleutelobby krampfhaft davor geschützt – bis heute. Nur multinationale Konzerne würden davon profitieren, die Kleingliedrigkeit der alteingesessenen Bozner Geschäfte sollte verteidigt werden. Der Kampf David gegen den vermeintlichen Goliath werde mit Inbrunst gefochten. Mit Erfolg? Nun, es gibt zwar immer noch kein Kaufhaus, doch wie schaut es in der stolzen Einkaufsmeile zwischen Lauben und Museumstrasse wirklich aus? Traditionsreiche Läden und Geschäfte wurden konsequent, nach und nach von Billigmodeketten verdrängt – schließlich gab und gibt es für diese Franchising Unternehmen keine sinnvollen, alternativen Standorte. Egal ob Footlocker, Tally Weijl, Benetton oder Intimissimi. Von dem was eigentlich geschüzt hätte werden sollen ist kaum etwas übrig geblieben. Ganz im Gegenteil, es sind nicht nur die Läden verschwunden, es hat sich auch das Einkaufsverhalten der Bevölkerung geändert. Heute fährt man kurzerhand nach Innsbruck oder Trient, Rovereto oder Affi um “vernünftig zu Shoppen”. Mit dem Argument mehr Auswahl zu kleineren Preisen geben allein in Innsbruck Südtiroler jährlich 500 Mio. Euro aus.

Soll nun alles anders werden? Ein großes innerstädtisches Kaufhaus mit internationalen Marken, ein Hotel, Wohnungen und Büros, einen unterirdischen Busbahnhof und eine zusammengeschlossene Großparkgarage: Das alles will der Tiroler Investor Ren­é Benko in Bozen innerhalb von drei Jahren bauen. Nachdem er dieses Vorhaben am Dienstag der Bozner Stadtregierung präsentiert hat, zeigt­e er am Nachmittag vor Journalisten seine Ideen für eine „Stadt­erneuerung“ zwischen der historischen Altstadt und dem Bahnhof in Bozen. Der Entwurf sei mit dem städtebaulichen Masterplan Bozens sowie mit den Überlegungen zur Bebauung des Projekts Neues Bahnhofsareal abgestimmt, erklärte Benko.

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Die Fakten: 180 Mio. Eur­o will Benkos Signa investieren, das Shoppingcenter soll 115.000 qm groß werden und 700 Jobs schaffen. Über Details und das weitere Prozeder­e (Genehmigungen) sprach Benk­o nicht – es gehe nun an die „Detailplanung“. Der Entwurf sei mit dem städtebaulichen Masterplan abgestimmt. Ziel sei es, die Stadt zu beleben, Zentrum und Bahnhofsgegend sollten zusammenwachsen.

Optisch erinnert das Projekt „Kaufhaus Bozen“ stark an sein erklärtes Vorbild, das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck. Dieses beschrieb Benko den Südtirolern als „Vorzeigeprojekt“. Im Rahmen der ICSC European Conference 2010 wurde in Paris dem Kaufhaus Tyrol der Titel „Bestes Einkaufszentrum Europas“ verliehen. Der ICSC Award ist kein Architekturpreis: als Kriterien gelten neben Architektur vor allem die Qualität der Entwicklung und Umsetzung des Projektes, der Mietermix, das Management, die Nachhaltigkeit, Marketing und Kommunikation sowie Erfolg bei den Handelsumsätzen des Shoppingcenters und dessen Akzeptanz bei den Kunden. Geplant hat die Bozner Abwandlung erneut der Londoner Star­architekt David Chipperfield. Er zeigte gestern in Bozen, wie auf sechs Etagen Geschäfte, ein Hotel, Büros und Wohnunge­n entstehen sollen. Benko buhlte am Dienstag außerdem um die Teilnahme an einem Verkehrsgroßprojekt: Der Tiroler will auch bei der geplanten Gesamterneuerung des Bahnhofs mitmischen.

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Mögliche Widerstände gegen sein Einkaufszentrum sieht er betont gelassen. Solche gebe es bei jedem Projekt, meint­e er: „Wir sind Diskussionen gewohnt.“ Freilich: In Südtirol ticken die Uhren beim Thema Shoppingcenter seit jeher anders als in Österreich. Nach jahrelangen Diskussionen rang man sich erst 2011 zu einem „Landeseinkaufszentrum“ am Stadtrand durch – dem „20twenty“. Dieses sieht Benko kritisch: „An der Peripherie hilft es Bozen als Einkaufsstadt nicht.“ Er versicherte, dass die Politik seinem Projekt „sehr positiv“ gegenüberstehe.

Für Tirols Wirtschaft freilich bedeutet der Bau wohl einen heftigen Angriff, lassen Süd­tiroler Einkaufstouristen doch pro Jahr rund 500 Mio. Euro in Tirol – vor allem in den großen Einkaufszentren wie etwa dem dez. Benko bezifferte das Einzugsgebiet für das „Kaufhaus Bozen“ zwischen Brenner und Affi mit einer halben Million Menschen. Im historischen Altstadt-Palais Menz, das Benko, wie berichtet, um 6,2 Mio. Euro gekauft hat, soll ein „Multibrand-Store“ entstehen – ein Geschäft über mehrere Etage­n, in dem verschiedene Marken vertreten sein sollen.

Die Unternehmensgruppe gehört bereits seit geraumer Zeit zu den großen privaten Immobilieneigentümer in den Innenstädten von Wien und Innsbruck. Im Dezember 2012 erwarb der Tiroler Investor Rene Benko mit seinem Immobilienunternehmen Signa für schlappe 1,1 Milliarden Euro das Berliner Luxuskaufhaus KaDeWe und weitere 16 von Karstadt betriebene Warenhäuser. Alleine für das KaDeWe sollen 500 Millionen Euro gezahlt worden sein. Das KaDeWe empfängt mit seinen 60.000 Quadratmetern täglich bis zu 180.000 Kunden aus aller Welt und ist das größte Kaufhaus Kontinentaleuropas. Der 1907 eröffnete und zuletzt 2004 umgebaute Einkaufstempel erstreckt sich über sieben Etagen. Betreiber bleibt Karstadt. Mit dem Kauf wurde Signa auf einen Schlag zu einem der größten Unternehmen für innerstädtische Kaufhäuser in Deutschland. „Der Kauf bedeutet einen weiteren Meilenstein in der Unternehmensgeschichte“, hieß es in der Aussendung des Unternehmens. Bereits seit 2010 ist die Signa Holding stolzer Besitzer eines der attraktivsten deutschen Neubau-Büroimmobilien Deutschlands. Für rund 230 Millionen Euro erwarb die Düsseldorfer SIGNA Property Funds die neue Konzern-Zentrale der Deutschen Börse AG in Eschborn bei Frankfurt. Bei der Kaufsumme handelte es sich um den zweithöchsten Immobilien-Abschluss in Deutschland im Jahr 2010.

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